Lochindaal

Eigentlich ist der Lochindaal eine Meeresbucht der schönen Insel Islay. Sie befindet sich zwischen Bowmore auf der einen Seite und Bruichladdich auf der anderen Seite, besser ausgedrückt zwischen den Halbinseln "Oa" und "Rhinns". Dieses Meeresarm des Atlantischen Ozeans reicht fast bis zum kleinen Örtchen Bridgeend in die Insel rein.

 

Viele Bereiche am Lochindaal können zu Fuß erreicht werden.  Entlang der Straße A847 entlang und man sieht unweigerlich schöne Flecken Erde, die zum Verweilen oder spzieren gehen einladen. Empfehlen kann ich den Küstenabschnitt im Ort Bruichladdich, der vom Pier bis in Richtung Bridgend viele hundert Meter begehbar ist, bevor dann einige felsige Abschnitte auftauchen. Vom Abzweig in Richtung Kilchoman bis in Richtung Blackrock zieht sich dann wieder ein ausgedehnter begehbarer Bereich, der wunderschön ist und direkt am Lochinddal gerade im Sommer immer wieder von Campern (kostenlos) genutzt wird.

Wenn auch nicht gut begehbar, aber dennoch aus etwas Entfernung wunderschön anzusehen ist danach der Bereich zwischen Blackrock und Bowmore. Am Ende der Bucht fällt durch Ebbe und Flut immer wieder eine Landschaft "trocken", die Jahr um Jahr von tausenden von Vögeln besiedelt wird. Nicht nur für Ornithologen ein wirklich faszinierender Anblick.

Strände gibt es zudem teilweise im Bereich Ronnachmore, Gartbreck und zwischen Laggan Farm um Kintra. Diese Bereich sind aber nicht ganz so einfach zu erreichen. In Richtung American Monument bieten schroffe Steilküsten ein sehr schönes Panorama, welches aber nur im Rahmen einer längeren Wanderung erreichbar ist.

 

Einen wirklich guten Ausblick über den Lochindaal hat man natürlich vom gesamten Küstenstreifen, aber leicht erhöht und vorallem leicht zugänglich von einem kleinen Hügel hinter der Brennerei Bowmore. Einfach in Bowmore der Straße in Richtung Schule folgen, an der Brennerei vorbeilaufen und danach über die dortige Freifläche zum Hügel gehen. Wer es sich eher gemütlich machen möchte, kann auch das Hotel Islay House (bei Bridgend) aufsuchen, in der dortigen Bar einen Whisky oder Tee genießen und durch die großen Fenster den Ausblick genießen. Das Hotel liegt zwar nicht direkt am Lochindaal, aber sofern die Rhododendren in Richtung Lochindaal geschnitten wurden, eröffnet sich ein fantastischer Blick in Richtung Bucht.

 

Lochindaal - Der Whisky

Die Whiskydestillerie Lochindaal war eine Brennerei im beschaulichen Örtchen Port Charlotte. Gegründet wurde die Brennerei 1829 und nach einigen Inhaberwechseln genau hundert Jahre später 1929 wieder geschlossen. In einigen Quellen wird die Brennerei nicht mit Lochindaal, sondern mit Port Charlotte bezeichnet.

 

Auch wenn die eigentliche Brennerei nicht mehr existiert, so haben einige der Warehouses bis heute (2021) überlebt. Direkt am Ortseingang von Port Charlotte finden sich alte Warehouses, die mittlerweile die Jugendherberge und den Islay Natural History Trust beherbergen. In zweiter Reihe versteckt den Hügel hinauf befinden sich zudem noch weitere alte Warehouses, die von Bruichladdich zur Lagerung von Port Charlotte Whiskyfässern genutzt werden. Wer einen Blick von aussen sehen möchte, findet ihn auf dem Label des Valinches Port Charlotte Cask Exploration 14. Wer einen Blick von innen erhaschen möchte, dem empfehle ich die Geo 360° Reportage über Bruichladdich. Sie ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, aber es macht zumindest mir immer wieder Spaß sie anzuschauen. Im Fernsehen wird die Reportage einigermaßen regelmäßig wiederholt. Wer es nicht abwarten kann, dem empfehle ich die Aufnahme bei youtube (einfach dort unter "360° geo whisky" suchen).

 

Die Wiedereröffnung der Brennerei wurde in den letzten 11 Jahren immer wieder angekündigt. Zeitweise soll Geld zur Verfügung gestanden haben und es fand sogar eine offizielle Grundsteinlegung statt. Der örtlichen Presse (Ileach) war allerdings im Frühjahr 2016 zu entnehmen, dass die Wiedereröffnung nach wie vor auf Eis liegt. Warten wir ab, was die Zukunft uns bringt.

 

Ab Oktober 2007 hat Bruichladdich die ersten 100 Fässer eines Whiskys mit der Bezeichnung Lochindaal produziert. Der Torfgehalt liegt bei 50 PPM und damit über dem regulären Port Charlotte (40 PPM) und dem eher experimentell angelegten Rhinns (30 PPM). Rund 250 Fässer sollen insgesamt produziert worden sein, bevor man sich zu Gunsten des Port Charlotte Whiskys gegen eine dauerhafte weitere getorfte Serie entschieden hat.

Diese Informationen sind insgesamt eher dürftig und stammen zum Teil aus damaligen Prospekten zum Verkauf einiger der ersten 100 Fässer (offizieller Verkauf wurden 2012 generell eingestellt). Weitere Infos gab es im Gespräch vor Ort in der Brennerei, von Derek (ARTISAN Restaurant) und Jim McEwan persönlich.

 

Offizielle Abfüllungen

Offizielle Abfüllungen gibt es nur sehr wenige. Zu nennen ist hier sicherlich ein Whisky mit dem Namen Lochindaal mit 43%, der für eine schottische Supermarktkette herausgebracht wurde. Dieser trägt zwar den Namen, war aber nach dem Probieren des Whiskys offenbar kein "richtiger" Lochindaal. Vielmehr handelt es sich geschmacklich um einen leicht getorften Bruichladdich, vielleicht auch ein Vatting aus Lochindaal und Bruichladdich. Konkrete Informationen gibt es leider keine. Abgefüllt wurde dieser Whisky 10jährig in 0,7 Liter Flaschen und in 0,05 Liter Flaschen.

 

Mit offizieller Aufschrift gab es dann 2014 den 6 Jahre alten (06.12.2007-08-2014) Lochindaal FUTURES mit 50% aus dem Callejo Weinfass in der 0,7 Liter Flasche. Dieser Whisky war damit die erste Lochindaal Abfüllung der Brennerei.

 

Die zweite Lochindaal Abfüllung gab es dann zum Fèis Ìle 2015. In der typischen Valinch Flasche zu 0,5 Litern wurde mit einer Auflage von 500 Flaschen ein 8 Jahre alter Whisky mit satten 59,5% präsentiert. Die verwendete Gerstensorte wird in der Whiskybase mit Optic angegeben, auf der Flasche findet sich diese Information allerdings nicht. Gleiches gilt für die Art der verwendeten Fässer, die dort mit Callejo angegeben wird.

 

Weitere offizielle Abfüllungen für den freien Verkauf gibt es ansonsten bislang nicht. Aus den bereits oben genannten Fässern, die an Dritte verkauft wurden, tauchen allerdings in privaten Whiskykreisen oder bei unabhängigen Abfüllern immer mal wieder Lochindaals auf. Viele dieser Abfüllungen stammen allerdings nicht aus Weinfässern, sondern aus den für schottischen Single Malt typischen Bourbon Fässern. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass diese Fässer ebenfalls fantastische Whiskys hervorbringen.

 

Lange Rede, kuzer Sinn ... solltet Ihr jemals die Möglichkeit erhalten, einen echten Lochindaal zu probieren, nutzt die Gelegenheit! Ihr werdet es sicher nicht bereuen! Ich finde wirklich ausnahmslos alle Lochindaal Abfüllungen, die ich über die Jahre trinken durfte, über alle Maßen lecker!